Besser bauen auf dem Land – Handlungsempfehlungen für Dörfer und kleine Städte

(Teil 4 der Serie „Unser Dorf muss dichter werden“)

Dieser Beitrag bildet den Abschluss der Serie „Unser Dorf muss dichter werden“. Nachdem die vorherigen Teile die Problemlage, mögliche Wohnformen der horizontalen Verdichtung sowie konkrete Praxisbeispiele beleuchtet haben, richtet sich der Blick nun auf die Umsetzung: Welche Schlussfolgerungen lassen sich daraus für die Planung und Entwicklung von Dörfern und kleinen Städten ziehen?

Eine Übersicht über alle Teile mit Links befindet sich am Ende des Artikels.

Die Beispiele zeigen, dass dichteres Wohnen im ländlichen und kleinstädtischen Kontext weder theoretisch noch exotisch ist. Es wurde bereits erfolgreich umgesetzt — mit unterschiedlichen Ansätzen, Maßstäben und architektonischen Lösungen. Entscheidend ist jedoch, dass solche Projekte nicht zufällig entstehen. Sie beruhen auf klaren Zielsetzungen, einer aktiven Rolle der Kommunen und einer Planung, die Qualität bewusst einfordert.

Die folgenden Handlungsempfehlungen verstehen sich daher nicht als abschließende Checkliste, sondern als Impulse für eine Praxis, die den steigenden Flächenbedarf, demografische Veränderungen und gestalterische Verantwortung gemeinsam in den Blick nimmt.

5 Handlungsempfehlungen für besseres Bauen auf dem Land

1 Zukunftsbilder: Dichteres Wohnen als Gewinn für alle

Damit alternative Wohnformen von Bürgern und Entscheidungsträgern nicht nur akzeptiert, sondern auch gewünscht werden, ist es entscheidend, positive Bilder zu erzeugen. Diese machen deutlich, dass es nicht um Verzicht oder Verlust geht, sondern um einen Gewinn für die Bewohner und die Kommune.

Die Praxisbeispiele in Teil 3 der Serie zeigen, wie durch horizontale Verdichtung attraktive Quartiere mit hoher Lebensqualität realisiert werden können. Planer und Verwaltung sollten diese und andere Beispielvorhaben nutzen, um in konkreten Planverfahren und der öffentlichen Diskussion die vielen guten Argumente für dichteres Bauen zu unterstützen.   

2 Mehr als Wohnen: Neue Quartiere als Teil des großen Ganzen

Buurtschap “De Gast” / Unie Architecten

Ein entscheidender Faktor für gutes Bauen ist die gelungene Integration in den bestehenden Kontext. Hierzu gehört die städtebauliche Situation, in die sich ein Projekt möglichst gut integrieren sollte. Wobei dies nicht darauf reduziert werden sollte, das  sich Neues gestalterisch unterordnet, sondern vor allem in die bereits bestehenden Funktionen (bspw. Verkehr/Parken) einfügt und diese im besten Fall sogar für alle verbessert.

Bei der Entwicklung neuer Wohnquartiere sollte daher, unabhängig von der Wohnform, immer im weiteren Zusammenhang und auf mehreren funktionalen Ebenen gedacht werden. Die beschriebenen Praxisbeispiele zeigen, wie dies gelingen kann und so das Neue als Ergänzung des Bestands einen Mehrwert für alle bieten kann.  

3 Mehr Raum zum Leben: Dichter, grüner, lebenswert

Je dichter wir wohnen, desto wichtiger werden hochwertige und funktionale Freiräume. Hierzu gehören Wege und Straßen vor der Haustür, aber auch Spielplätze und Parks. Je besser diese Räume gestaltet sind, desto eher sind potentielle Bewohner bereit, im Privaten auf Flächen zu verzichten und mehr Dichte zuzulassen. Gleichzeitig bieten hochwertige Freiräume auch für die Bewohner umliegender Wohnquartiere einen Mehrwert und stellen damit einen Beitrag zur Integration und Akzeptanz der neuen Bebauung dar. 

Metropolitan Workshop / Studio Late / Quelle

4 Ziele definieren, Qualität sichern: Kommunen als Impulsgeber für neue Wohnformen

Kommunen müssen den Rahmen für das Planen und Bauen aktiv gestalten. Statt auf Pläne von Investoren zu reagieren, gilt es klare, ambitionierte Ziele für die Ortsentwicklung zu setzen. Ein von Bürgern, Verwaltung und Politik getragenes Leitbild kann so im Sinne einer Angebotsplanung Investoren und Bauherren als Richtschnur für die Umsetzung ihrer Projekte dienen. So kann sichergestellt werden, dass nicht nur Einzelinteressen, sondern das große Ganze berücksichtigt wird. Nur wer Qualität fordert, bekommt sie auch. 

Die hierfür notwendigen Planungsinstrumente (z.B. Bebauungspläne, Rahmenpläne, städtebauliche Satzungen) stehen zur Verfügung.  

5 Baukultur: Gutes muss nicht teuer sein

Bauen muss einen Mehrwert bieten. Für Bauherren und Investoren, aber auch für die Bewohner der Umgebung und die gesamte Kommune.

Das dies nicht zwangsläufig mit höheren Kosten verbunden ist, zeigen die dargestellten Praxisbeispiele. Eine hohe Baukultur trägt dazu bei, die Akzeptanz und Attraktivität von Bauprojekten zu erhöhen und dient damit allen Beteiligten.


Serie “Unser Dorf muss dichter werden”

Teil 1: Unser Dorf muss dichter werden — Warum das Einfamilienhaus an Grenzen stößt

Teil 2: Horizontale Verdichtung: Mehr Leben, weniger Fläche — Warum Reihen-, Hof- und Townhouses eine echte Alternative sind

Teil 3: Von Dänemark bis England: Wie Gemeinden Wohnraum schaffen — ohne ihren Charakter zu verlieren

Teil 4 Besser bauen auf dem Land — Handlungsempfehlungen für Dörfer und kleine Städte


Further reading

https://www.dezeen.com/2021/07/20/inholm-cambridgeshire-house-urban-splash-healthy-living/

https://www.buurtschapdegast.nl/

https://www.deuniearchitecten.nl/projecten/buurtschap-in-landschappelijke-setting-met-een-grote-mate-van-collectiviteit/

https://www.sweco.dk/showroom/helhedsplan-for-paulsgaarde/

Schramm, Helmut (2008): Low Rise - High Density: Horizontale Verdichtungsformen im Wohnbau, 2.Auflage, Springer - Wien





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Von Dänemark bis England: Wie kleine Gemeinden Wohnraum schaffen – ohne ihren Charakter zu verlieren